Naturfotografie & mehr!
 
by Thomas Below-Holzer


Hausrotschwanz
Phoenicurus ochruros

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  • 268A2501

Jeden Morgen zwischen etwa April und Juli werden wir oft noch vor dem Sonnenaufgang vom Gesang des Hausrotschwanzes geweckt. Dann bleibt meist nur, das Fenster zu schließen – denn direkt auf dem Nachbarhaus befindet sich der feste Stammsingplatz des Vogels aus unserer unmittelbaren Nachbarschaft. Von dort aus trägt er seinen Gesang weithin hörbar vor.
Der Gesang des Hausrotschwanzes ist unverwechselbar: rau, kratzend und etwas unmelodisch, oft unterbrochen von kurzen Pausen. Gerade diese Eigenart macht ihn jedoch leicht erkennbar und hebt ihn deutlich von anderen Singvögeln ab. Besonders bemerkenswert ist dabei, wie früh der Hausrotschwanz mit dem Singen beginnt – häufig noch in tiefer Dämmerung, lange bevor andere Vögel aktiv werden.
Auffällig ist auch der ausgeprägte Geschlechtsdimorphismus. Das Männchen ist überwiegend dunkelgrau bis fast schwarz gefärbt und trägt den namensgebenden, leuchtend rostroten Schwanz. Das Weibchen hingegen wirkt insgesamt deutlich heller und graubraun. Dadurch lassen sich Paare mit etwas Übung gut unterscheiden, insbesondere wenn beide gemeinsam im Revier unterwegs sind.
Der Hausrotschwanz ist ein typischer Kulturfolger. In Siedlungen, Gärten und auf Gebäuden fühlt er sich besonders wohl – auch in Offenbach ist er regelmäßig anzutreffen. Dächer, Mauervorsprünge und Antennen dienen ihm als Singwarte, während er am Boden oder in der Luft nach Insekten jagt.
Im Winter verlässt ein Teil der Population unsere Region. Der Hausrotschwanz gilt als Teilzieher und weicht in kältere Zeiten in mildere Gebiete aus. Einige Individuen bleiben jedoch auch bei uns oder kehren bereits sehr früh im Jahr zurück. Spätestens im Frühjahr macht sich seine Anwesenheit dann wieder unüberhörbar bemerkbar – lange bevor der Tag eigentlich beginnt.



Steckbrief:

  • Größe: ca. 14–15 cm
  • Spannweite: ca. 23–26 cm
  • Gewicht: etwa 14–20 g
  • Beobachtungszeitraum: 
    März bis Oktober










Vogel des Jahres 2025 - Hausrotschwanz


Der Hausrotschwanz wurde zum Vogel des Jahres 2025 gewählt, weil er wie kaum eine andere Art für das Zusammenleben von Mensch und Vogel steht. Ausgezeichnet wurde er von NABU und LBV, um auf die Bedeutung naturnaher Siedlungsräume aufmerksam zu machen. Als typischer Kulturfolger ist der Hausrotschwanz stark auf Gebäude, Mauern, Dächer und andere vom Menschen geschaffene Strukturen angewiesen. Dort findet er Brutplätze, Singwarten und Jagdmöglichkeiten.
Gleichzeitig macht ihn diese Nähe zum Menschen auch verletzlich. Moderne, stark versiegelte Bauweisen, glatte Fassaden und das Verschwinden von Nischen und offenen Flächen führen dazu, dass geeignete Brut- und Lebensräume zunehmend verloren gehen. Auch der Rückgang von Insekten als Nahrungsgrundlage stellt eine wachsende Herausforderung dar. Der Hausrotschwanz steht damit stellvertretend für viele Arten, die zwar an unsere Städte angepasst sind, dort aber immer weniger Platz finden.
Mit der Wahl zum Vogel des Jahres soll gezeigt werden, dass bereits kleine Maßnahmen – wie das Offenlassen von Nischen an Gebäuden, der Verzicht auf vollständige Versiegelung oder eine naturnahe Gartengestaltung – einen großen Beitrag zum Erhalt dieser Art leisten können. Der Hausrotschwanz erinnert uns damit daran, dass Artenvielfalt nicht nur in Schutzgebieten, sondern direkt vor unserer Haustür beginnt.
Jahr 2026
Für das Jahr 2026 wurde zum Vogel des Jahres das Rebhuhn gewählt. Diese Wahl fand im Herbst 2025 im Rahmen einer bundesweiten Online-Abstimmung statt, bei der mehr als 180.000 Menschen mitstimmten. Mit rund 44,5 % der Stimmen setzte sich das Rebhuhn deutlich gegen andere Kandidaten wie die Amsel, Wald- und Schleiereule oder den Zwergtaucher durch – ein Rekordergebnis für diese Wahl.
Das Rebhuhn ist ein charakteristischer Bodenbrüter der offenen Agrarlandschaft, der früher in vielen Feldfluren Deutschlands verbreitet war, dessen Bestände aber in den letzten Jahrzehnten stark zurückgegangen sind. Durch den Verlust von Strukturen wie Feldrainen, Hecken und Blühflächen sowie den intensiven Einsatz von Pestiziden ist sein Lebensraum heute stark bedroht. Mit der Wahl zum Vogel des Jahres soll auf diese dramatische Entwicklung aufmerksam gemacht und der Schutz agrarischer Lebensräume gestärkt werden.

 
 
 
 
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