Naturfotografie & mehr!
 
by Thomas Below-Holzer

Weißstorch
Ciconia ciconia

In einer Statistik Vorlesung habe ich noch gelernt, dass die Geburtsrate mit dem Rückgang der Störche korreliert. Das die Kausalität fehlt, weiß man spätestens seit ca 10 Jahren.
Der Weißstorch ist einer der bekanntesten und zugleich eindrucksvollsten Großvögel Mitteleuropas – sowohl durch sein majestätisches Erscheinungsbild als auch durch sein charakteristisches Klappern, das als Begrüßungs  und Paarungsritual dient. Seine langen Beine und der kräftige Schnabel machen ihn unverwechselbar, und sein schreitender Gang bei der Nahrungssuche ist ebenso typisch wie sein mächtiger Flug mit ausgestreckten Hals.
Lange galt der Weißstorch in weiten Teilen Deutschlands als seltene Art. In den letzten Jahrzehnten jedoch hat er sich deutlich erholt – ein Erfolg, der vor allem auf intensive Schutzmaßnahmen zurückzuführen ist. Heute brüten Störche nicht nur auf klassischen Horsten auf von Menschen errichteten Plattformen oder alten Wagenrädern, sondern zunehmend auch „wild“ in natürlichen Strukturen wie Waldrändern oder hohen Bäumen. Dabei sind sie längst nicht mehr nur in traditionellen Storchengebieten, sondern überall in Deutschland zu beobachten.
Seine Zugrouten haben sich im Zuge dieser Ausbreitung ebenfalls verändert. Klassisch reisten Weißstörche über Italien und Tunesien bis nach West  und Zentralafrika. Inzwischen nutzen viele Exemplare Wege über Spanien und Portugal – teils mit anschließender Überwinterung direkt dort, ohne die Sahara zu überqueren. Andere ziehen weiterhin bis in die Sahelzone, wie es jahrelang typisch war. Diese Variabilität im Zugverhalten zeigt, wie flexibel Störche auf Veränderungen von Klima und Landschaft reagieren.
Auch im Raum Offenbach sind Weißstörche mittlerweile regelmäßige Gäste. Besonders auf frisch gemähten Wiesen lassen sie sich häufig beobachten, wenn sie durch das Aufscheuchen von Kleinsäugern, Fröschen und Insekten nach Nahrung suchen. In solchen Situationen konkurrieren sie durchaus mit anderen Greifvögeln wie Rotmilanen und Mäusebussarden, die ähnliche Areale und Beutetiere nutzen.
Noch vor wenigen Jahren bin ich zum Störche beobachten noch weitere Strecken gefahren. Heute brüten sie sogar an der Renningshäuser Mühle in Heusenstamm, und immer öfter findet man sie auch in Offenbach und Umgebung. Ihr eindrucksvoller Flug, der klappernde Gruß und das gemeinsame Aufziehen der Jungvögel gehören zu den besonderen Naturerlebnissen unserer Region.




Steckbrief:

  • Größe: ca. 100–115 cm
  • Spannweite: ca. 195–215 cm
  • Gewicht: etwa 2,5–4,5 kg
  • Beobachtungszeitraum: 
    März bis Oktober


 
 
 
 
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